Česky Deutch

Die Ausstellung "Das verschwundene Sudetenland" in Wien

Es ist kein Zufall, dass die seit 2002 in Tschechien, Deutschland und Polen wandernde Ausstellung über das Schicksal des Sudetenlandes nach dem II. Weltkrieg erst jetzt das erste Mal in Österreich ist. Wie es auch Ondrej Matejka bei der Eröffnung am 5.11. betonte, ist die Aufarbeitung der gemeinsamen tschechisch-österreichischen Geschichte noch nicht fortgeschritten, die gegenseitige Vorurteile zwischen den beiden Ländern sind – im Vergleich zu den deutsch-tschechischen – stärker präsent. Die Ausstellung soll auch die Nachricht vermitteln: es gibt viele Initiativen in Tschechien, die sich selbstkritisch mit der Geschichte beschäftigen.

Wie unruhig die österreichisch-tschechischen Beziehungen sind zeigte sich auch in der emotionalgeladenen Diskussion nach der Eröffnung, die schnell durch Themen wie die Benes-Dekrete und 1918 eskalierte. Die Diskussionsteilnehmer befanden sich bald auf der Suche nach der „ursprünglichen Täternation“, den Verantwortlichen. Es ist bedauerlich, aber vielleicht natürlich, dass Personen, die selbst von den Stürmen der Geschichte stark betroffen waren, schwer vom Feindbild der anderen Nation wegkommen. Aber für die Mehrheit heute müsste doch die Frage nicht lauten, wer den größeren Fehler in der Geschichte begangen hat, sondern wie die gemeinsame Gegenwart aussehen sollte.

Überlebende negative Stereotypen und Feindbilder waren auch ein Thema bei der Paneldiskussion zur Ausstellung „Vergessene Helden“. Die Teilnehmer waren sich einig, dass um von diesen Vorurteilen wegzukommen es wichtig wäre, dass sich mit der Aufarbeitung der Geschichte nicht Politiker, sondern Historiker beschäftigen. Herr Oliver Rathkolb (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien) machte darüberhinaus auf die wichtige Rolle der Journalisten aufmerksam, die die Ergebnisse der Forschung in die Diskurse der Gesellschaft einbringen können.

Bei der Frage wer die Antifaschisten wirklich waren, betonte die deutsch-tschechische Historikerin Frau Alena Wagnerová, dass zwar die Regierung nur den aktiven Widerstand als antifaschistische Tätigkeit anerkannt hat, jedoch kleine Hilfen, alltägliche Humanität oft wertvoller für die Betroffenen waren. Die Nachricht, dass man an den grundsätzlichen Werten der Humanität auch gegen den Mainstream der Gesellschaft festhalten sollte, ist eine, die auch jeder Alltagsmensch von heute von der Ausstellung mitnehmen kann.

Diskuse

Vložit nový příspěvek

Staňte se fanoušky AX na Facebooku