Česky Deutch

Geschichte, Erinnerung und Gegenwart im Sudetenland - Ortsgeschichte von Děkov/Dekau

Nach einer Stunde Autofahrt von Prag erreichen wir die malerische Hopfengegend des Saazer Landes/Žatecko. Nach dem hektischen Großstadtleben empfängt uns hier eine herrliche Landschaft, frische Luft und eine einzigartige Ruhe. In dem kleinen Dorf Vlkov/Wilkau begrüßt uns herzlich der junge Vizebürgermeister von der Gemeinde Děkov/Dekau.
Mit großer Begeisterung führt er uns durch die Ortschaften Dekau, Nová Ves/Neudorf und Wilkau. Die zunächst unscheinbar wirkenden Gebäude werden durch seine Erzählungen mit Leben erfüllt. Sowohl leerstehende Gebäude wie die alte Schule oder die Kirche als auch frisch renovierte Häuser prägen das Bild der Orte. Wir sind besonders von dem ehemaligen Pfarrhaus beeindruckt, welches zur Zeit aufwendig saniert wird und der Gemeinde als Mittelpunkt des kulturellen Lebens dienen soll. In Zukunft sind hier Konzerte, Feste, aber auch eine Dauerausstellung zur lokalen Geschichte geplant. Die Vergangenheit ist überall zu spüren. Dennoch liegt vieles im Dunkeln. Durch den beinah vollständigen Bevölkerungsaustausch im Sudetenland nach dem II. Weltkrieg bleiben viele Fragen zur Geschichte auch dieser Region unbeantwortet. Wie sah das Leben hier vor 1945 aus? Wer waren die einstigen Bewohner dieser Orte? Welche Traditionen und Bräuche wurden hier gepflegt? …
Angesteckt von der sprühenden Neugierde der Bewohner verlassen wir an diesem Abend Dekau und denken über Möglichkeiten nach, wie die fehlenden Puzzleteile der Geschichte doch noch ans Tageslicht gebracht werden können.

Gemeinsam werden folgende Ziele verfolgt: Im Mittelpunkt stehen die Sammlung, Erweiterung und Dokumentation des Wissens über die Vergangenheit der Ortschaften (Ortsgeschichte, Lebenswirklichkeit, Traditionen). Durch die Beschäftigung mit der einstigen Lebenswelt dieser Region werden die heutigen Bewohner für die Geschichte des "Anderen" sensibilisiert. Dieser multiperspektivische Zugang kann ein kritisches Geschichtsbewusstsein fördern und zur Verbesserung der lokalen Identität beitragen. Weiterhin wird durch das Engagement der Ortsbewohner an diesem Projekt die dörfliche Gemeinschaft gestärkt. Die Rekonstruktion und Erhaltung des lokalen Gedächtnisses, welches das deutsche kulturelle Erbe sichtbar macht, kann aber zugleich Impulse und Vorbildwirkung im überregionalen Rahmen entfalten. Im Ergebnis soll eine Dauerausstellung entstehen, die im sanierten Pfarrhaus präsentiert wird.
In diesem Zusammenhang werden mit den ermittelten einstigen und jetzigen Bewohnern dieser Ortschaften Interviews durchgeführt, gemeinsame Treffen organisiert, wobei Mitarbeiter von Antikomplex auch die Rolle des Sprachmittlers übernehmen. Die noch verfügbaren Quellen wie die Pfarr-, Gemeinde- und Schulchroniken werden ausgewertet und eine umfassende Literaturrecherche wird durchgeführt. Darüber hinaus wurde Kontakt zur Heimatstube Podersam-Jechnitz in Kronach aufgenommen. Zudem wird eine Sammlung von Bildmaterial und Sachüberresten angestrebt.

Diskuse

Vložit nový příspěvek

Werden Sie Fan von AX auf Facebook